Wenn der Zug zum Einsatzort wird
120 junge Helfer von THW und Johanniter üben gemeinsam in Rosenheim – Rettung aus Trümmern, von einem Turm und aus einem verrauchten Zug
Rauch steigt aus einem verunglückten Personenzug auf. Im Inneren liegen Verletzte, einige sind eingeklemmt. Für die jungen Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks gibt es jetzt keine Zeit zu verlieren. Sie müssen sich einen Weg in den Zug bahnen, die Verletzten retten und sie anschließend an die Sanitäter der Johanniter-Jugend übergeben. Was am Wasserübungsplatz des THW Rosenheim nach einem schweren Unglück aussieht, ist eine Übung – und zugleich eine Premiere.
Erstmals haben sich Jugendgruppen des THW aus ganz Oberbayern gemeinsam mit der Johanniter-Jugend zu einer solchen Gemeinschaftsübung getroffen. Rund 120 junge Helferinnen und Helfer waren dabei: 95 von der THW-Jugend und 30 von der Johanniter-Jugend. Für THW-Bezirksjugendleiter Markus Sperber und Matteo Maxia von der Johanniter-Jugend war allein diese Zahl ein Erfolg. Beide betonten die Bedeutung des gegenseitigen Kennenlernens und des Austausches.
Denn im Einsatzfall kommt es nicht nur darauf an, die eigenen Handgriffe zu beherrschen. Entscheidend ist auch, dass verschiedene Organisationen zusammenarbeiten können. Genau das sollte in Rosenheim praktisch erprobt werden.
Dafür hatten die Verantwortlichen mehrere anspruchsvolle Szenarien vorbereitet. Die THW-Jugend übernahm dabei die technische Rettung und Bergung. Die Johanniter-Jugend kümmerte sich anschließend um die medizinische Versorgung der Verletzten.
Eine Aufgabe führte die jungen Helfer hoch hinaus: Eine verletzte Person musste von einem Turm gerettet werden. Bei einem weiteren Szenario galt es, Verletzte aus einem Trümmerkegel zu bergen. Dabei mussten die Jugendlichen nicht nur ihre technischen Fähigkeiten einsetzen, sondern auch die Gefahren an einer Einsatzstelle im Blick behalten.
Die größte Herausforderung wartete schließlich im Personenzug. Stark verraucht war das Szenario angelegt, mehrere Fahrgäste waren verletzt oder eingeklemmt. Die Jugendlichen mussten die Verletzten zunächst finden und aus dem Zug retten. Anschließend übernahmen die Johanniter die medizinische Erstversorgung.
Gerade dieses Zusammenspiel war ein wesentlicher Bestandteil der Übung. Während die einen noch mit der Rettung beschäftigt waren, mussten die anderen bereits die Versorgung vorbereiten. Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen waren deshalb ebenso gefragt wie technisches Können und medizinisches Wissen.
Die Übung machte zugleich deutlich, wie schnell Einsatzkräfte an ihre Grenzen kommen können. Rauch, Trümmer, schwierige Rettungswege und mehrere Verletzte gleichzeitig sorgen für Stress und erschweren selbst scheinbar einfache Aufgaben. Für die Jugendlichen war es deshalb eine Gelegenheit, unter möglichst realistischen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln.
Am Ende stand neben den gewonnenen Erfahrungen vor allem eine Erkenntnis: Helfen funktioniert am besten gemeinsam. Für die jungen Einsatzkräfte aus THW und Johanniter war die Premiere in Rosenheim deshalb nicht nur ein Ausbildungstag, sondern auch ein wichtiger Schritt, um die Zusammenarbeit bereits im Jugendalter zu stärken.