Eine Ausbildung in dieser Form hat es im südlichen Bereich Bayerns bislang noch nicht gegeben: Die Fachgruppen Infrastruktur der Ortsverbände Rosenheim, München-Land, Fürstenfeldbruck und Landsberg kamen zu einer gemeinsamen dreitägigen Ausbildung auf dem Wasserübungsplatz des THW Rosenheim zusammen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die fachliche Weiterbildung und der Austausch von Erfahrungen, sondern vor allem auch das persönliche Kennenlernen und der Ausbau des bestehenden Netzwerks.
Denn gerade im Einsatzfall ist eine gute Zusammenarbeit entscheidend. Der Rosenheimer Ortsbeauftragte Markus Ottobrachte die Bedeutung des persönlichen Kontakts treffend auf den Punkt: „Im Ernstfall muss man die Menschen kennen.“
Netzwerken schon vor dem ersten Ausbildungstag
Deshalb begann die gemeinsame Veranstaltung bereits am Freitagabend. Bei einer ausführlichen Vorbesprechung wurden die Ausbildungsinhalte, der Ablauf und die verschiedenen Stationen vorgestellt. Anschließend blieb ausreichend Zeit für den persönlichen Austausch an der Feuerschale.
Gerade diese ungezwungenen Gespräche abseits des eigentlichen Ausbildungsbetriebs erwiesen sich als wertvoll. Erfahrungen wurden ausgetauscht, Kontakte geknüpft und Gemeinsamkeiten entdeckt. So entstand bereits am ersten Abend eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Ortsverbände hinweg.
Natürlich stand am Wochenende auch die fachliche Ausbildung im Mittelpunkt. Die Teilnehmer erhielten die Möglichkeit, verschiedene Verfahren kennenzulernen, vorhandenes Wissen zu vertiefen und dabei auch einmal über den eigenen Ausbildungs- und Einsatzbereich hinauszublicken.
Sechs Stationen – ein breites Spektrum der Fachgruppe Infrastruktur
Auf dem Wasserübungsplatz waren mehrere Ausbildungsstellen eingerichtet, an denen unterschiedliche Tätigkeiten aus dem umfangreichen Aufgabenspektrum der Fachgruppe Infrastruktur praktisch geübt wurden. Jeder der teilnehmenden Ortsverbände zeigte sich für mindestens eine Station verantwortlich.
Um- und Abpumpen brennbarer Flüssigkeiten bildete eine der Stationen. Dabei konnten die Teilnehmer gleich drei unterschiedliche Systeme kennenlernen und praktisch erproben: eine elektrisch betriebene Membranpumpe, eine druckluftbetriebene Variante sowie eine Pumpe, bei der der erforderliche Unterdruck über einen Handhebel erzeugt wird.
Eine weitere Ausbildungsstelle widmete sich dem thermischen Trennen von Metallen mit einem Plasmaschneider. Hier wird elektrische Energie genutzt, um Metalle präzise zu trennen. Ergänzend wurde das traditionelle Brennschneiden mit einem Sauerstoff-Acetylen-Gemisch praktisch demonstriert und geübt. Die Gegenüberstellung der beiden Verfahren ermöglichte dabei einen direkten Blick auf unterschiedliche technische Möglichkeiten und deren jeweiligen Einsatzbereiche.
Handwerkliches Geschick war beim Bearbeiten von Wasserrohren gefragt. Ein Rohr wurde zunächst auf die benötigte Länge gebracht, anschließend entgratet und mit einem Gewinde versehen. Für eine fachgerechte Abdichtung kam Hanf zum Einsatz. Ob die Verbindung tatsächlich dicht war, zeigte sich anschließend bei der Druckprüfung.
Mit der Fremdeinspeisung von Strom in ein Gebäude stand ein weiterer wichtiger Bereich auf dem Ausbildungsplan. Dabei wurde die Situation aus der Perspektive eines Helfers betrachtet, dem im Einsatzfall keine Elektrofachkraft zur Verfügung steht. Gerade diese Betrachtungsweise machte deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu kennen und Arbeiten entsprechend sicher und strukturiert durchzuführen.
Ein weiterer Schwerpunkt war das PE-Schweißen von Kunststoffrohren. Hierfür standen gleich zwei Ausbildungsstellen zur Verfügung. An einer Station wurden PE-Rohre mit Durchmessern bis 100 Millimeter bearbeitet. An einer zweiten Station kam eine hydraulische Vorrichtung zum Einsatz, mit der Rohrdurchmesser bis zu 200 Millimeter geschweißt werden konnten.
Lernen vom Nachbarn
Gerade die unterschiedlichen Erfahrungen der beteiligten Ortsverbände machten den besonderen Reiz der gemeinsamen Ausbildung aus. Jeder Ortsverband bringt eigene Erfahrungen aus Einsätzen, Übungen und Ausbildungen mit. Der direkte Austausch ermöglicht es, voneinander zu lernen, unterschiedliche Vorgehensweisen kennenzulernen und den eigenen „Blick über den Tellerrand“ zu erweitern.
Und natürlich kam auch die Kameradschaft nicht zu kurz. Das sonnige Spätsommerwetter sorgte ebenso für gute Stimmung wie die abwechslungsreichen und anspruchsvollen Ausbildungsinhalte. Von den Teilnehmern war durchwegs viel Lob für die Organisation und die Qualität der Ausbildung zu hören. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte auch die Rosenheimer Küche, die die Teilnehmer während des Wochenendes bestens versorgte.
Zum Abschluss: Ein Blick hinter die Kulissen
Abgerundet wurde das gelungene Wochenende mit einer Besichtigung des THW-Ortsverbandes Rosenheim. Dabei konnten die Gäste die Fahrzeuge, Ausstattung und weiteren Einrichtungen des Ortsverbandes kennenlernen und die Eindrücke des gemeinsamen Ausbildungswochenendes noch einmal Revue passieren lassen.
Die dreitägige Veranstaltung hat damit gleich mehrere Ziele erreicht: Fachwissen wurde vertieft, neue Verfahren kennengelernt, Erfahrungen ausgetauscht und vor allem persönliche Kontakte zwischen den Fachgruppen geknüpft.
Denn wenn es darauf ankommt, zählt nicht nur die Technik. Es sind vor allem die Menschen, die sie bedienen – und die Menschen, mit denen man im Einsatz zusammenarbeiten muss.
Das Fazit der Teilnehmer fiel deshalb kurz und eindeutig aus: Schee war’s!